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Die Bedeutung der Sinne

Kinder mit einer Wahrnehmungsschwäche brauchen eine besonders intensive Sinnesschulung, doch auch für gesund entwickelte Kinder ist die Förderung ihrer Wahrnehmung sinnvoll. Aber warum?:

  • „Kinder sind sinnreiche Wesen. Sie haben Spaß am Einsatz all ihrer Sinne(Zimmer, Renate (2005): Handbuch der Sinneswahrnehmung. Grundlagen einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung. 16. Auflage, Freiburg im Breisgau: Herder Verlag, S.9). Sie möchten durch „sinnvolles Handeln“, also durch Handeln mit möglichst vielen Sinnen, die Welt erforschen. Sie haben Freude daran und fördern dabei ihre Entwicklung.


  • Sinnliche Erlebnisse steigern die Vernetzung von Nervenzellen im Gehirn (Synapsenbildung). Solche Vernetzungen sind nötig für die intellektuelle Entwicklung. Die Ausbildung der Sinne stellt somit ein zentrales Element der intellektuellen Entwicklung dar.


  • Um Gefahren richtig einschätzen zu können, „brauchen Kinder unmittelbare sinnliche Erfahrungen, die oft viel nachhaltiger wirken als Belehrungen und Ermahnungen durch die Erwachsenen“ (ebd., S.110). Wird einem Kind z.B. verboten den Kaktus anzufassen, dann wird das Kind kaum begreifen, warum es das nicht darf. Erst das Greifen und die Schmerzwahrnehmung helfen ihm zu verstehen, dass es Pflanzen mit Abwehrmechanismen gibt.


  • Heutigen Kindern stehen kaum noch Spiel- und Bewegungsräume zur Verfügung. Der wachsende Verkehr und Siedlungsbau drängen die Kinder ins Haus. Täglich verschwinden global Grünflächen in der Größe von 150 bis 180 Fußballfeldern (Vgl.: Spitta, Philipp (2005): Praxisbuch Mobilitätserziehung. Unterrichtsideen, Projekte und Material für die Grundschule. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, S.108). Folglich erhalten Kinder immer weniger Gelegenheiten dazu draußen Sinneserfahrungen zu sammeln und sich auszutoben. Auch der Platzmangel in den überfüllten Kinderzimmern verhindert oft ein lebendiges Spielen. Eine wahrscheinliche Folge ist die Abstumpfung körpernaher Sinne. „Alle Sinnesorgane brauchen […] Anregung, um zu funktionieren. Sie brauchen Training, um sich weiterentwickeln zu können. Sie müssen benutzt werden, um nicht zu verkümmern“ (Zimmer 2005, S.9).


  • Die Sicherheit im Straßenverkehr hängt unter anderem von den Sinnesleistungen Ihrer Kinder ab. Hierzu 2 Beispiele:


1) Das sichere Radfahren setzt voraus, dass sämtliche Sinne gut ausgebildet sind. Das Kind muss die Richtung anzeigen, das Gleichgewicht halten, lenken, die Pedalen treten, Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen, mit plötzlichen Zwischenfällen rechnen etc. „Je schneller das Fahrrad fährt, desto größer werden die sinnlichen Reizeinwirkungen auf das Kind“ (Ayres, Jean (2002): Bausteine der kindlichen Entwicklung. Die Bedeutung der Integration der Sinne für die Entwicklung des Kindes. 4.Auflage, Berlin: Springer Verlag, S.23). Es muss schneller auf ein Hupen reagieren, zügiger Verkehrsschilder interpretieren, rascher das Gleichgewicht stabilisieren etc. Die „psychomotorischen Fähigkeiten für die sichere Beherrschung des Fahrrads sind erst mit ca. 9-10 Jahren ausreichend ausgebildet“ (Flade, Antje & Limbourg, Maria & Schönharting, Jörg (2000): Mobilität im Kindes- und Jugendalter. Opladen: Leske und Budrich, S.66).


2) „Kinder können bis zum Alter von sechs, sieben Jahren nicht gleichzeitig geradeaus rennen und dabei den Kopf zur Seite wenden“ (Dr. Jäckel, Karin (1992: Mein Kind - sicher im Straßenverkehr. München: Gräfe und Unzer-Verlag, S.17). Überqueren Kinder z.B. eine Straße, so ist es möglich, dass sie seitlich nahende Gefahren nicht sehen. Blicken sie doch zur Seite, kann dies einen Gleichgewichtsverlust und Sturz herbeiführen. Je schneller Kinder laufen, desto weniger funktioniert ihre Sensomotorik.


  • Kinder mit defizitären Sinnesleistungen geraten oft in emotionale Krisen. Sie wirken tollpatschig, weil sie z.B. Dinge fallen lassen. Im Sportunterricht gelingt ihnen vielleicht nicht einmal ein Purzelbaum, während die Mitschüler bereits ein Rad schlagen können. Sie erleben ständig Misserfolge. Sie schämen sich und sind oft müde und überanstrengt wegen dem hohen Energieaufwand, den sie wegen der mangelnden Sinnesausprägung leisten müssen, um überhaupt etwas zu meistern. Oft werden Wahrnehmungsdefizite erst spät erkannt und somit berücksichtigen viele Lehrer diese nicht. Vielleicht maßregeln sie die Kinder, unterstellen ihnen Faulheit und erteilen schlechte Schulnoten. All dies kann zu Selbstwertproblemen oder Aggressionen führen.


  • Die Wahrnehmung beeinflusst die Entwicklung sprachlicher Kompetenzen. Hierzu 2 Beispiele:


1) Störungen der kinästhetischen Wahrnehmung können zu Problemen in der Lautbildung führen. Sind eigenen Sprechbewegungen fehlerhaft, können Laute nur schwierig unterschieden werden, was unweigerlich zu Schreibfehlern führt (Vgl.: Knauf, Tassilo / Kormann, Petra / Umbach, Sandra (2006): Wahrnehmung, Wahrnehmungsstörungen und Wahrnehmungsförderung im Grundschulalter. Stuttgart: Kohlhammer Verlag, S.59).


2) Die Visuomotorik stellt eine zentrale Basis des Schreibens dar. Kann ein Kind Auge und Hand nicht in einem adäquaten Verhältnis zueinander steuern, dann wird es ihm kaum gelingen Buchstaben korrekt zu schreiben und in der Zeile zu bleiben.


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